Über uns

Die Arbeitsgruppe für Theaterhistoriografie der Gesellschaft für Theaterwissenschaft e. V. wurde im Oktober 2000 in München konstituiert und zählt rund 40 Mitglieder. Sie widmet sich erstens einem gemeinsamen Projekt, das längerfristig beforscht und schließlich publiziert wird. Zweitens bietet sie ein Netzwerk für Doktorand*innen, die im Rahmen der Arbeitsgruppe ihre Dissertationsprojekte vorstellen und diskutieren können. Drittens versteht sich die Arbeitsgruppe als ein Forum, um sich wechselseitig über Forschungsprojekte auszutauschen.

Diese Website informiert über die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe. Die Einladung zu den Veranstaltungen erfolgt per E-Mail. Wir freuen uns über neue Mitglieder aus allen Karrierestufen!

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The working group for Theater Historiography of the Gesellschaft für Theaterwissenschaft e. V. was constituted in October 2000 in Munich and counts about 40 members. Firstly, it dedicates itself to a joint project, which is researched long-term and results in a publication. Secondly, it provides a network for doctoral students who present and discuss their projects within the framework of the group. Thirdly, the working group considers itself a forum for the mutual discussion of research projects.

This website informs about the activities of the working group. Invitations to meetings and other events are sent by email. We are happy to welcome new members at all career levels!

Kontakt/Contact

📧 Theresa Eisele (Ludwig-Maximilians-Universität München)
📧 Lotte Schüßler (Humboldt-Universität zu Berlin)

Aktuelles

    • Forscher*in: Stefanie Hampel
    • Institution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Friedemann Kreuder

    Die Personalauswahl von Schauspieler:innen realisiert sich entlang einer immer wieder neu gezogenen und wandelbaren Demarkationslinie, anhand der die Selektion „Talentierter“ und das Aussortieren „Untalentierter“ vollzogen wird. In historischen Konjunkturen ist der Begriff des Talents ständigen Beugungen ausgesetzt, bei denen unterschiedliche Humandifferenzierungen zum Tragen kommen, wie beispielsweise Alter oder Geschlecht. In meinem Promotionsprojekt untersuche ich, wie sich der Prozess dieser Personalauswahl und -formung in der Weimarer Republik und NS-Zeit an deutschen Schauspielschulen, in Künstlervermittlungen und an Theaterhäusern institutionalisiert bzw. zentralisiert: Welche Organisationen bilden sich im Zuge dieses Auswahlprozesses? Und wie entsteht der sich professionalisierende Schauspielberuf?

    Stefanie Hampel ist Doktorandin des SFB 1482 „Humandifferenzierung“ im Teilprojekt „Schauspielen als Beruf. Historische Konjunkturen der Humandifferenzierung in Schauspielausbildung, Künstlervermittlung und Theaterhäusern im 20. Jahrhundert“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Anschluss an ihr Studium der Theater- und Musikwissenschaft (JGU Mainz) sowie der Wirtschaftsmathematik (Universität Bielefeld) war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt „Staging Differences“ des SFB 1482. 

  • Ausblick 2026

    Im Jahr 2026 trifft sich die AG im Rahmen der Arbeitsgruppentreffen der Gesellschaft für Theaterwissenschaft vom 7. bis 9. September an der Universität Bern. Details und Programm per Mail. Interessierte sind herzlich willkommen.


  • Arbeit an Publikation 2025ff.

    Die AG Theaterhistoriografie widmet sich aktuell einem gemeinsamen Publikationsprojekt zur Arbeit mit und über theaterhistorische(n) Quellen. Die Publikation soll voraussichtlich 2027 erscheinen. Für teilnehmende Autor*innen fand ein Arbeitstreffen in Wien im November 2025 statt.


  • Treffen der AG 2023 & 2024

    Die AG Theaterhistoriografie trifft sich einmal jährlich zu gemeinsamen Workshops. Die Treffen 2023 + 2024 fanden im November 2023 (Universität Bern) und im Sommer 2024 im Rahmen des Kongresses der Gesellschaft für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig statt.


Publikationen der AG Theaterhistoriografie

Buchcover des 2022 erschienenen Sammelbandes "Unerhörte Theatergeschichten", herausgegeben von Stefan HulfeldUnerhörte Theatergeschichten. Ein Lesebuch (2022)

Herausgegeben von Stefan Hulfeld für die Arbeitsgruppe Historiografie der Gesellschaft für Theaterwissenschaft e. V., Wien: Hollitzer.

Das Lesebuch umfasst 17 Geschichten, die zeigen, wie faszinierend und erkenntnisreich Theatergeschichte sein kann. Erzählt werden sie von Theaterwissenschaftler*innen, die ihre Forschung damit einem Lesepublikum näherbringen. Es geht um die Elektrifizierung von Theatergebäuden, den Walkürenritt in der Zirkusmanege, eine Frauenbewegung im deutschen Theater um 1910, selbstbewusste Roboter in einem Science Fiction-Drama, den Papagei einer Opernsängerin, verbotene „Betten-Dramatik“, einen desillusionierten Produktionsdramaturgen, altmodische Seepferde und Nixen im Wiener Augarten u. v. a. m.

Mehr Informationen auf der Verlagswebsite …

Buchcover des 2007 erschienenen Sammelbandes "Theaterhistoriographie. Kontinuitäten und Brüche in Diskurs und Praxis", herausgegeben von Friedemann Kreuder, Stefan Hulfeld und Andreas Kotte Theaterhistoriographie. Kontinuitäten und Brüche in Diskurs und Praxis (2007)

Herausgegeben von Friedemann Kreuder, Stefan Hulfeld und Andreas Kotte, unter Mitarbeit von Stefanie Watzka, (Mainzer Forschungen zu Drama und Theater 36) Tübingen: Francke.

Wie schreibt man heute Theatergeschichte? Welche Vielfalt unterschiedlichster Theaterformen entfalten sich, blickt man über die am Höhenkamm orientierte Theatergeschichtsschreibung früherer Forschergenerationen hinaus? Welche innovativen Ergebnisse bieten neu erschlossene Quellen, hinterfragt man mit ihnen bereits etablierte Forschungsmeinungen? Diese und weitere Fragen haben sich die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes gestellt. Die Ergebnisse bieten einen neuen Blick auf ein Thema, das es immer wieder zu diskutieren gilt: die Theaterhistoriographie.

Mehr Informationen auf der Verlagswebsite …

Titelblatt der "Theaterwissenschaftlichen Beiträge" des Jahres 2002 mit dem Themenschwerpunkt "Theaterhistoriographie", herausgegeben von Friedemann Kreuder, Stefan Hulfeld und Andreas Kotte Theaterwissenschaftliche Beiträge. Theaterhistoriographie (2002)

Herausgegeben von Friedemann Kreuder, Stefan Hulfeld und Andreas Kotte, Insert in Theater der Zeit, TdZ 06/2002.

Die „Theaterwissenschaftlichen Beiträge“ sind als erste Publikation der Arbeitsgruppe aus dem Auftaktkolloquium der AG 2001 in Bern hervorgegangen. Sie versammeln neun Positionen, die eine erste theaterhistoriografische Bestandsaufnahme vornehmen, dabei auf die Disparatheit theaterhistorischen Arbeitens stoßen, zugleich aber gemeinsam für ein historisches Bewusstsein theaterwissenschaftlicher Forschung eintreten. Die Beiträge beschäftigen sich etwa mit der Bestimmung von Theatralität und mit vielfältigen Materialien zwischen Mittelalter und Moderne.

Dissertationsprojekte im Doc-Netzwerk

Im Doc-Netzwerk diskutieren Doktorand*innen ihre theaterhistoriografischen Projekte. Sie erhalten Raum für inhaltlichen Austausch und Vernetzung. Die Treffen des Netzwerks werden gefördert von der Gesellschaft für Theatergeschichte e.V.

Untenstehend gelistet sind Dissertationsprojekte zum Stand ihrer Diskussion in der Arbeitsgruppe.

  • Cooperation and Migration Networks of Theater Professionals in the 19th Century Habsburg Empire

    • Forscher*in: Jorit Jens Hopp
    • Institution: Ludwig-Maximilians-Universität München
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Berenika Szymanski-Düll

    Oft als ein Alleinstellungsmerkmal des zeitgenössischen, globalisierten Zeitalters gesehen, prägte das Phänomen der (Massen)migration bereits das Europa des 19. Jahrhundert. Die Rolle von Migration für das Leben einzelner Theaterschaffender und der Institution Theater im 19. Jahrhundert ist hierbei noch weitgehend unerforscht. Als Part des ERC Projekts T-Migrants analysiere ich in meinem Promotionsprojekt die Migrationswege von Theaterschaffenden im Habsburgerreich des 19. Jahrhunderts. Ausgehend von Impulsen aus der Sozialgeographie, der historischen Migrations- und Netzwerkforschung liegt mein Fokus hierbei im Besonderen auf der Frage, inwieweit die Zusammenarbeit zwischen Theatern und nicht-einheimischen Künstler*innen über die Jahrzehnte stabile Kooperationsnetzwerke erzeugen und wie diese spätere Migrationen beeinflussen.

    Jorit Jens Hopp arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promovierender im ERC-Projekt T-MIGRANTS an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Neben seinem Interesse an Theater als einer gesellschaftlichen Institution liegt sein Arbeitsschwerpunkt primär in der Verbindung von Theaterwissenschaft und digitaler Methodik.


  • Vom sozialen Auftritt. Zum Problem bürgerlicher Sozialrollendarstellung im 18. Jahrhundert

    • Forscher*in: Torben Schleiner
    • Institution: Universität Leipzig
    • Betreuer*innen: Jun.-Prof. Dr. Ingo Rekatzky, Prof. em. Dr. Gerda Baumbach

    Das Dissertationsvorhaben befasst sich in transdisziplinärer Orientierung mit der Genese bürgerlicher Praktiken der Sozialrollendarstellung im protestantisch geprägten mitteldeutschen Raum des 18. Jahrhunderts. Aus theaterwissenschaftlicher, kultursoziologischer sowie historisch-anthropologischer Perspektive geht es der Frage nach, wie städtisch-gebildete Eliten neue Vorstellungen von adäquatem Auftreten in der sozialen Öffentlichkeit diskursiv legitimierten und praktisch zu vermitteln suchten: In Adaption wie Abgrenzung von höfischen Repräsentationsstrategien schuf man Grundlagen für bis heute in Geltung stehende Normative sozialen und künstlerischen Auftretens. Im Fokus steht der sich durchsetzende Anspruch der Wahrhaftigkeit, Unverstelltheit und Natürlichkeit an Habituspraktiken, die zwar erlernt und absichtsvoll eingesetzt werden, zum Reüssieren auf dem sozialen Parkett aber als ein Nicht-Schauspielen zu verschleiern waren.

    Torben Schleiner ist Doktorand und Lehrbeauftragter am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig. Sein Dissertationsvorhaben wird durch das Evangelische Studienwerk Villigst gefördert.


  • Politisches Theater und Straßenpolitik um 1968

    • Forscher*in: Judith Henrike Pieper
    • Institution: Freie Universität Berlin
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Matthias Warstat

    Das Projekt analysiert, an welchen Punkten zwischen künstlerischer Theaterpraxis und performativen Protestkulturen der politischen Bewegung nicht nur von einem Nebeneinander, sondern auch von wechselseitiger Intervention die Rede sein kann. Die auf der Straße sich entfalteten Protestformen in Frankreich, Deutschland und den USA waren von künstlerischen Avantgardebewegungen beeinflusst. Spannungen zwischen Kunstpraxis und Straßenprotesten konnten auch erwachsen, weil sich in Deutschland z.B. Botho Strauß und Peter Handke offen gegen ein aktivistisches, nicht-professionelles Straßentheater wendeten, dessen Interventionen ihnen ästhetisch schwach und deshalb auch politisch wirkungslos erschienen. Die Dissertation geht einem Krisenbewusstsein in Selbstzeugnissen und Korrespondenzen von Praktiker:innen aktivistischen Theaters nach. Am Berliner Beispiel wird analysiert, wie Straßenproteste und politische Aktionen in den performativen Künsten reflektiert und wie umgekehrt theatrale Darstellungsformen im Demonstrationsgeschehen wirksam wurden. Bewährte Verfahren der theaterhistoriographischen Quellenanalyse werden mit Methoden einer historisch ausgerichteten Protestforschung kombiniert.

    Judith Henrike Pieper ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich (SFB) 1512 „Intervenierende Künste“ an der Freien Universität Berlin.


  • Die diskrete Bühne des Betriebs: Der Bühnentechniker Friedrich Kranich und die Rationalisierung des Theaters in der Weimarer Republik

    • Forscher*in: Halvard Schommartz
    • Institution: Freie Universität Berlin/ Berliner Hochschule für Technik
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Jan Lazardzig, Prof. Dr.-Ing. Bri Newesely

    Das Dissertationsprojekt untersucht in wissensgeschichtlicher Perspektive den rationalisierten Theaterbetrieb der Weimarer Republik und macht ihn als eine diskrete agency des entstehenden öffentlichen Theaters nach der Abwicklung des Hoftheatersystems aus. Von bisherigen Theatergeschichten weitgehend unbeachtet, entwickelt sich vor dem Hintergrund der fortschreitenden Ökonomisierung des Theaters, dem zeitgenössischen Rationalisierungsdiskurs und der gesellschaftlichen Autorität der Ingenieursfigur eine Bühnentechnik, deren Erkenntnisinteresse und Praxis auf den rationalen Betrieb des Theaters zielt. Ausgehend vom Bühnentechniker Friedrich Kranich jr. (Hoftheater Schwerin, Städtische Bühnen Hannover, Festspielhaus Bayreuth) und dessen zum Standardwerk avancierten Publikation „Bühnentechnik der Gegenwart“ (1929, 1933) kann gezeigt werden, wie die betriebliche Praxis kulturchauvinistisch legitimiert und der gemeinnützige Betrieb des Theaters als Dienst an einem deutschen „Kulturwillen“ verstanden wurde. Orientiert am Primat der Rationalität wurde unter Ausschluss der antisemitisch diffamierten Geschäftstheater diskursiv (theaterbetriebswissenschaftliches Schriftwesen), praktisch (Betriebsorganisation) und materiell (Erweiterung und Umbau der gründerzeitlichen Theaterbausubstanz) ein öffentlicher Theaterbetrieb standardisiert, der bis heute die deutsche Theaterlandschaft prägt.

    Halvard Schommartz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-geförderten Verbundprojekt „Theaterbauwissen. Epistemische Kontinuitäten und Brüche im Spiegel der Theaterbausammlung der Technischen Universität Berlin“. Die kooperative Promotion wird an der Freien Universität Berlin und der Berliner Hochschule für Technik durchgeführt.


  • Repräsentation von Arbeiter*innen am Wiener Vorstadttheater in der Mitte des 19. Jahrhunderts

    • Forscher*in: Lisa Niederwimmer
    • Institution: Universität Wien
    • Betreuer*in(nen): Ass.-Prof. Dr. Anke Charton, M.A.

    Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Zahl an (Industrie-)Arbeiter*innen Mitte des 19. Jahrhunderts untersucht das Dissertationsprojekt, wie diese zentrale historische Gruppe Marginalisierter an den Wiener Vorstadttheatern repräsentiert wurde. Dramaturgische Funktionen von Arbeiter*innen-Figuren oder Statist:innen, die ihnen zugestandenen Handlungsmöglichkeiten sowie Vorstellungen von Gemeinschaft und wie diese Zugehörigkeit oder Nicht-Zugehörigkeit markieren, stehen im Zentrum der Auseinandersetzung. Die Untersuchung gibt Einblick in Perspektiven, Erwartungshaltungen und Wahrnehmungsgewohnheiten diverser Akteur*innen, die in unterschiedlicher Ausprägung Anteil an der theatralen Repräsentation von Arbeiter*innen hatten. Ziel des Projekts ist es, Muster historischer Inklusions- und Exklusionspraxen anhand von Theater sowie dessen Beitrag zur Aufrechterhaltung hegemonialer Strukturen zu erkunden.

    Lisa Niederwimmer ist als Universitätsassistentin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien tätig.


  • Die Behauptung künstlerischer Freiheit. Untersuchungen zur Theateröffentlichkeit in der Weimarer Republik

    • Forscher*in: Georg Molnar
    • Institution: Universität Wien
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Stefan Hulfeld

    Das Projekt erforscht Einschränkungen der verfassungsmäßig garantierten, künstlerischen Freiheiten an den Theatern in Frankfurt am Main, München und Berlin 1918–1933. An der Schnittstelle von Politik, Gesellschaft und Kultur fungierten Theater als Vermittlungsinstanzen und Austragungsort soziopolitischer Kämpfe. Akteure wie Parteien, Behörden, Medien oder private Vereine hatten je unterschiedliche Perspektiven auf Theater. Diese bildeten in Bezug auf die selbst als Akteure handelnden Theater die Theateröffentlichkeit. In den sich voneinander stark unterscheidenden drei Städten war sie je anders ausgestaltet und entfaltete unterschiedliche Dynamiken. Diese werden anhand von Theaterproduktionen, an denen sich Konfliktlinien etwa um öffentliche Sexualmoral oder politisches Bewusstsein entzündeten, exemplarisch mithilfe von Archivmaterial untersucht.

    Georg Molnar ist Doktorand am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.


  • Meyerholds »uslovnyj teatr« oder Groteske auf dem Scheitelpunkt. Theaterkunst zwischen Russland und Europa in der Moderne des 20. Jahrhunderts

    • Forscher*in: Maria Koch
    • Institution: Universität Leipzig
    • Betreuer*in(nen): Prof. em. Dr. Gerda Baumbach

    Die Dissertation befasst sich mit der osteuropäischen Theateravantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zentraler Gegenstand dabei ist die Tätigkeit des russischen Regisseurs und Theatererneuerers Vsevolod Ė. Meyerhold und seine hierfür grundlegende Konzeption des »uslovnyj teatr«, welche er 1912/13 in seinem Hauptmanifest »Balagan« (Jahrmarkttheater) formulierte. Den Ausgangspunkt und Rahmen bildet eine exemplarische Inszenierungsarbeit Meyerholds in Moskau 1926, die einen äußerst scharf ausgetragenen Theaterskandal auslöste und damit gleichzeitig den kritischen Moment einer an der Schwelle zum Stalinismus stehenden Gesellschaft markiert. Die Analyse richtet sich auf die einzelnen unterschiedlichen Bedeutungsebenen der »uslovnost’« und möchte – gemäß einem »Narrativ der Gleichzeitigkeit« – aufzeigen, welche experimentellen und historisch-theoretischen Forschungsleistungen notwendig waren, um ihre methodischen Forderungen in der Theaterpraxis einzulösen. Die Untersuchung soll Aufschluss geben über die immense Durchschlagskraft der von Meyerhold praktizierten Theaterkunst, die sich im Kern durch »Groteske« als Stil der Schauspielkunst kennzeichnet.

    Maria Koch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Doktorandenförderplatz) am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig.


  • Theaterlobby gegen Zirkus. Zur Wende im Kräfteverhältnis zweier Theaterformen zwischen 1869 und 1918 in Berlin

    • Forscher*in: Mirjam Hildbrand
    • Institution: Universität Bern
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Andreas Kotte

    Die Dissertation widmet sich dem Verhältnis von Zirkus und Theater im sogenannten langen 19. Jahrhundert in Berlin. Im Forschungszeitraum wurde das Bildungs- und Literaturtheater kontinuierlich aufgewertet und ab 1918 als Institution der Hochkultur etabliert. Um 1850 erlangte auch der Zirkus einen festen Platz in der deutschsprachigen Theaterlandschaft und trat mit dem bürgerlichen Theater in Konkurrenz – insbesondere nach Einführung der Gewerbefreiheit im Jahr 1869. Diese Situation führte nicht nur zu Diskreditierungen des Zirkus im Theaterdiskurs, sondern auch zu politischen Vorstössen der Theaterverbände gegenüber Zirkusunternehmen. Doch obwohl die Theatergesetze ab 1880 zu Lasten der Zirkusse verschärft wurden, war der Erfolg letzterer bis in die 1910er Jahre ungebremst. Dann kehrte sich das Kräfteverhältnis der beiden Theaterformen jedoch um. Der spannungsgeladenen Beziehung von Zirkus und Theater sowie der Wende in ihrem Kräfteverhältnis geht das Projekt mittels einer Diskursanalyse auf den Grund. Ausgehend von der 1869 liberalisierten und bis 1917 mehrfach revidierten Theatergesetzgebung, untersucht die Dissertation entsprechende Diskussionen des Gesetzgebers, die Interessenpolitik der verschiedenen involvierten Verbände und die begleitendende Berichterstattung der Presse. Insbesondere die Zeit nach 1900 wird dabei auch im Hinblick auf die Frage analysiert, inwiefern bestimmte Faktoren (Krieg, Inflation, Konkurrenz durch Varieté und Kino, Umstellung auf den Zeltzirkus) auf die Veränderung des Verhältnisses der beiden Theaterformen einwirkten. Ausserdem beleuchtet das Projekt die Berliner Zirkuskultur, d.h. ihre Institutionen und Produktionen sowie deren Rezeption. Auf diese Weise soll das Projekt auch Aufschluss über die künstlerische Praxis der Berliner Zirkusse um 1900 geben.

    Mirjam Hildbrand doktoriert im Rahmen eines Stipendiums des Schweizerischen Nationalfonds am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern.


  • Dramaturgie als diskursive Schaltstelle. Relationen zwischen Theater und Gesellschaft in der BRD der 70er Jahre

    • Forscher*in: Giorgio Chiappa
    • Institution: Freie Universität Berlin
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Matthias Warstat

    Im Zentrum dieser Dissertation stehen theaterdramaturgische Verfahren im Kontext der Bundesrepublik Deutschland der 1970er Jahre, mit besonderem Fokus auf Produktionsdramaturgie. Dabei sollten die Arbeitsweisen von Dramaturg*innen sowie ihre jeweils unterschiedlich gestaltete Teilnahme an der Ensemblearbeit anhand konkreter Beispielfälle aus der damaligen bundesdeutschen Theaterlandschaft (Schaubühne am Halleschen Ufer Berlin, Schauspiel Stuttgart und Schauspielhaus Bochum, Staatliche Schauspielbühnen Berlin, Düsseldorfer Schauspielhau u. a.) untersucht werden. Die Dissertation wirft außerdem Fragen über Möglichkeiten und Methoden einer Geschichtsschreibung der Dramaturgie innerhalb der Theaterhistoriographie auf.


  • Szenen bürgerlicher Festkultur. Frankfurt a. M. zwischen Nostalgie und Zukunftslust um 1900

    • Forscher*in: Christina Vollmert
    • Institution: Universität zu Köln
    • Betreuer*in(nen): Prof. Dr. Peter W. Marx, Prof. Dr. Stefan Hulfeld

    Ausgehend von bislang unerforschten Archivmaterialien aus der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln zur Frankfurter Festkultur geht das Promotionsprojekt der Frage nach, inwiefern sich theatrale und performative Praktiken am Ende des 19. Jahrhunderts an der Formatierung neuer Wahrnehmungsformen und an der Akzeptanz neuer Technologien und Medien beteiligen.  Dabei ist zum einen die zeitliche Fokussierung bedeutend – das Ende des 19. Jahrhunderts als eine Zeit des Aufbruchs in die Moderne und als Phase sozialer und kultureller Umbrüche – als auch die (oftmals marginalisierte) Stadt Frankfurt am Main in ihrer Bedeutung als großstädtischer ‚Erfahrungsort‘ der Moderne. Insbesondere die Wechselwirkungen zwischen medienkulturgeschichtlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen sind dabei entscheidend, um die Frankfurter Festkultur in ihrer kommunikativen Charakteristik und als Ort gesellschaftlicher Bedeutungskonstruktion zu erfassen.  In drei Fallstudien wird das Material aus einer theaterwissenschaftlichen Perspektive analysiert: (1) Altstädtische Feste – Inszenierung historischer Wurzeln, (2) Schützen-, Turner- und Sängerfeste:  Kollektiv(e) Körper, (3) Industrie- und Technikausstellungen – Technik als Spektakel.

    Christina Vollmert ist Doktorandin am Institut für Medienkultur und Theater  der Universität zu Köln, Kollegiatin der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln, am Institut für Kunst- und Kunsttheorie und am Lehrstuhl für Medienpädagogik und Mediendidaktik.


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Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft
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+43 (0)1 4277-44317
theresa.eisele@univie.ac.at

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BILDNACHWEISE (v. o. n. u.)

1 Leon Kamir-Kaufmann: „Clowns in the Arena of the Circus ‚Italian Comedy'“, 1920, National Museum in Warsaw.

2 Andreas Geiger (Kupferstecher), Johann Christian Schoeller (Künstler), „Die Maskerade im Theater“, von Henry (Gallerie drolliger Scenen zur Theaterzeitung, 5. Jg., Nr. 10), 1831, Wien Museum Inv.-Nr. 109002/41, CC0.

3 „A performance on a Medieval portable booth stage“, in: Chansonnier du Zeghere van Male, 1542. Cambrai Bibliothèque municipale ms. 0126, B f. 53r.

4 „Oper – Opernball 1956 – Aufbauarbeiten“, 1956. © Ernst Hausknost, Wien Museum.

5 „Zirkus Busch in Berlin C, Bahnhof Börse“, „Zirkus Schumann in Berlin NW, Karlstraße“, in: Rudolph Hertzog, Agenda 1912. Jahreskalender des Berliner Kaufhauses. Berlin 1912, S. 110.